Das Bergwetter ändert sich schnell
In den Dolomiten können die Verhältnisse in wenigen Stunden umschlagen. Pro 1000 Höhenmeter Aufstieg verlierst du rund 6 °C, deshalb kann ein milder Morgen im Tal einen kalten, windigen Gipfel bedeuten. Im Sommer weicht der klare Morgenhimmel oft den Wärmegewittern am Nachmittag: Der Boden erwärmt sich, die feuchte Luft steigt auf, türmt hohe Wolken auf und entlädt sich dann in plötzlichen, manchmal heftigen Schauern mit Blitz, Hagel und einem raschen Temperatursturz.
Die Lösung heißt Schichten und richtiges Timing. Zieh dich im Zwiebellook an, damit du Schichten an- oder ausziehen kannst, und pack immer einen Fleece oder eine Wärmeschicht, eine winddichte und wasserdichte Jacke und einen Regenschutz ein, auch bei Sonne. Beginne Touren in der Höhe früh, damit du schon unten oder auf einer Hütte bist, bevor sich das übliche Nachmittagswetter aufbaut. Schau dir die Vorhersage am Abend zuvor und noch einmal am Morgen an. Und schlag dir aus dem Kopf, dass das Programm feststeht: Wenn sich der Himmel ändert, kehrst du um.
Die offiziellen Wetterdienste, denen du vertrauen kannst
Die Dolomiten liegen in drei Provinzen, jede mit ihrem eigenen offiziellen Wetterdienst, und die schlagen jede allgemeine App. Meteotrentino, vom Zivilschutz der Autonomen Provinz Trient, deckt das Trentino mit täglichen Berichten, stündlichen Niederschlägen, Föhn- und Windvorhersagen und dem Lawinenlagebericht ab. Der Wetterdienst der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol deckt Südtirol mit Bergvorhersagen, Stationsdaten und Lawinenlagebericht ab, auf Italienisch, Deutsch, Ladinisch und Englisch. ARPAV, die Umweltagentur Venetiens, betreut die Vorhersagen "Dolomiti Meteo" von ihrem Zentrum in Arabba: Der Bericht erscheint am frühen Nachmittag und wird am Abend und am nächsten Morgen aktualisiert.
Webcams: der ehrliche Realitätscheck
Die Vorhersage sagt, was passieren sollte. Eine Live-Webcam zeigt, was gerade passiert. Fast jedes Tal, jeder Pass und jedes Skigebiet der Dolomiten hat Live-Kameras, und das ist der schnellste Weg, um Wolken, Neuschnee und Sicht vor dem Aufbruch zu prüfen. Schau dir sowohl eine Kamera im Tal als auch eine am Gipfel oder an der Mittelstation an: Das Tal kann klar sein, während die Gipfel in Wolken stecken, oder umgekehrt. Fang beim Webcam-Portal von Dolomiti Superski an, das Hunderte Kameras in den verbundenen Skigebieten hat, bei den Tourismus-Seiten Südtirols und der Provinzen und bei hochauflösenden Plattformen wie foto-webcam.eu und Roundshot. Achte immer auf die Uhrzeit im Bild, damit du kein altes Foto liest.
Die Jahreszeiten im Detail
Der Sommer, von Mitte Juni bis September, ist die Zeit der Wege, Klettersteige und geöffneten Hütten, mit langen Tagen, aber auch den regelmäßigsten Nachmittagsgewittern. Der Herbst, von Ende September bis Oktober, ist die Zeit der Herbstfärbung: Die Lärchen wechseln von Grün zu einem satten Goldgelb, die Luft ist oft klarer und das Enrosadira, das rosa-orange Leuchten der Wände bei Sonnenuntergang, zeigt sich von seiner besten Seite. Der Winter, ungefähr von Dezember bis April, ist die Zeit für Ski, Schneeschuhe und die Skirunde von Dolomiti Superski, mit sicherem Schnee meist ab November in der Höhe. Der Frühling ist die ruhigste Zwischensaison: Der Schnee schmilzt im Tal, aber die hohen Wege sind noch verschneit und viele Hütten geschlossen. Zum Monat-für-Monat-Führer →
| Jahreszeit | Ungefährer Zeitraum | Was dich erwartet |
|---|---|---|
| Sommer | Mitte Juni – September | Hütten, Wege und Klettersteige offen; Gewitter am Nachmittag |
| Herbst | Ende September – Oktober | Goldene Lärchen, klare Luft, Enrosadira; erster Schnee in der Höhe |
| Winter | Dezember – April | Ski und Schneeschuhe; lies den Lawinenlagebericht |
| Frühling | Mai – Anfang Juni | Ruhige Zwischensaison; hohe Wege noch verschneit |
Die Wetterzeichen am Berg lesen
Die Vorhersage zählt, aber auch der Himmel um dich herum gibt Hinweise in Echtzeit. Quellwolken, die an einem Sommernachmittag hoch und dunkel aufwachsen, sind das klassische Zeichen für ein aufziehendes Gewitter und dein Startsignal zum Absteigen. Ein plötzlich warmer, trockener, böiger Wind mit einem seltsam klaren, tiefblauen Himmel ist oft der Föhn, der an den Leeseiten der Alpen herabweht, die Wolken wegfegt und die Temperatur in wenigen Minuten um mehrere Grad anheben kann; er bringt klare, aber sehr windige Tage und lässt den Schnee schnell schmelzen. Nebel und tiefe Wolken bilden sich schnell in den Tälern und auf den Pässen und nehmen die Sicht: Wenn du den Weg nicht siehst, lohnt es sich selten, weiterzumachen. Und denk an den Temperaturgradienten: Am Gipfel ist es normal, dass es viel kälter ist und viel mehr Wind weht als am Ausgangspunkt.
Winter: Schnee und Lawinenlagebericht
Im Winter ist die Vorhersage nur die halbe Geschichte: Du musst auch den Lawinenlagebericht lesen. AINEVA, der überregionale Verband für Schnee und Lawinen, und die Provinzdienste veröffentlichen tägliche Berichte nach der europäischen Lawinengefahrenskala, die fünf Stufen hat: 1 gering, 2 mäßig, 3 erheblich, 4 groß, 5 sehr groß. Die Skala ist nicht linear. Stufe 3 erheblich steht schon für eine ernste Lage, in der die meisten Unfälle passieren, und nicht für ein "mittleres" Risiko. Vor jeder Tour abseits der Piste oder auf Skitour lies den Bericht, verstehe, welche Hänge und Expositionen gefährlich sind, und nimm LVS, Sonde und Schaufel mit und wisse, wie du sie benutzt. Lies unseren Leitfaden zur Sicherheit am Berg →
| Stufe | Europäische Skala |
|---|---|
| 1 | Gering |
| 2 | Mäßig |
| 3 | Erheblich |
| 4 | Groß |
| 5 | Sehr groß |
Praktische Checkliste vor dem Aufbruch
Eine kurze Routine hält dich sicher und bewahrt dich vor einem verdorbenen Tag. Prüfe die offiziellen Vorhersagen der Provinzen am Abend zuvor und noch einmal am Morgen. Wirf einen Blick auf eine Webcam im Tal und eine am Gipfel, um die echten Verhältnisse zu sehen. Im Winter lies den Lawinen- und den Schneebericht. Plane einen frühen Aufbruch und lege eine Umkehrzeit fest, vor allem im Sommer. Pack die Schichten in den Rucksack, einen Fleece oder eine Wärmeschicht und eine winddichte, wasserdichte Jacke, dazu Sonnenschutz, Wasser und eine Stirnlampe, auch bei klarem Himmel. Sag jemandem, welche Route du gehst und wann du zurück sein willst. Wenn der Himmel hohe Gewitterwolken auftürmt oder Nebel aufzieht, ändere den Plan: Der Berg ist auch morgen noch da.