Die Seiser Alm (Alpe di Siusi) ist die größte Hochalm Europas: ein Meer aus welligen Wiesen, ausgebreitet über fünfzig Quadratkilometer zwischen 1.680 und 2.350 Metern, unter der unverkennbaren Gestalt des Schlerns und den Zinnen der Rosszähne (Denti di Terrarossa). Sie zu überqueren fühlt sich an, als ginge man durch eine Landschaft ohne Ränder, das Gras bewegt sich im Wind und alte Almhütten sprenkeln den Horizont. Sie ist seit Jahrhunderten Sommerweide.
Die Alm gehört zum Schlerngebiet und zu den Dörfern Kastelruth, Völs und Seis, wo die Tiroler Bauernkultur noch tief verwurzelt ist. Seit der Bronzezeit nehmen diese Weiden im Sommer Rinder, Pferde und Schafe auf, und die Bindung zwischen den Menschen und diesem Berg ist nie zerbrochen. Vor allem der Schlern trägt seit jeher eine Aura der Sage, im Volksglauben verbunden mit Geschichten von Hexen und ihren nächtlichen Versammlungen.
Auf dem nahen Puflatsch (Monte Bullaccia) stehen noch die sogenannten Hexenbänke, am Ende einer kurzen, stimmungsvollen Aussichtswanderung, die jene alten Geschichten wieder zum Leben erweckt. Die Entscheidung, den Autoverkehr streng einzudämmen und die Zufahrt zur Alm über die Mittagsstunden zu sperren, ist eine bewusste Wette auf den Schutz der Natur. Im Sommer ist die Alm der Ort für leichtes, aussichtsreiches Wandern. Im Winter verwandelt sie sich in ein Paradies für Langlauf, Schneeschuhwandern und sanfte Abfahrten.
