Cortina d'Ampezzo liegt in einer sonnendurchfluteten Mulde auf etwa 1.224 Metern, in einem Kranz von Gipfeln, mit dem sich kaum ein Ort auf der Welt messen kann: Tofane, Cristallo, Sorapis, die Cinque Torri und die lange Wand des Pomagagnon. Man nennt sie die Königin der Dolomiten, und ein Blick nach oben vom Corso Italia sagt dir warum. Der Glockenturm, die Boutiquen und die alten Grandhotels erzählen von einem Glanz, der immer neben ernsthaftem Alpinismus gelebt hat.
Doch hinter dem mondänen Gesicht steckt eine zähe, verwurzelte Identität. Die Ampezzaner sprechen Ladinisch, und seit Jahrhunderten verwalten sie ihre Wälder und Weiden über die Regole d'Ampezzo, eine alte Form gemeinschaftlichen Landbesitzes. Ihre jüngere Vergangenheit ist die Vergangenheit des Ersten Weltkriegs. Die Dolomitenfront verlief mitten hindurch, und Lagazuoi und Cinque Torri sind heute Freilichtmuseen aus Schützengräben, Stollen und in den Fels gehauenen Galerien.
Wohlhabende Reisende kommen seit dem 19. Jahrhundert hierher, doch es war 1956, das Cortina zum Begriff machte. Die ersten Olympischen Winterspiele, die weltweit im Fernsehen übertragen wurden, verbanden den Ort für immer mit dem Sport und dem internationalen Jetset. Im Februar 2026 ist die Mulde erneut Gastgeber der Spiele, siebzig Jahre später, als Teil von Mailand-Cortina, mit den alpinen Damenrennen auf der legendären Olimpia delle Tofane. Zwischen den großen Saisonen gibt es die Lärchen, die sich im Herbst golden färben, und die Wege hinab zum türkisfarbenen Wasser des Sorapissees.