Der Karersee ist wirklich klein: knapp dreieinhalb Hektar, ein Taschentuch aus Wasser, das du in zwanzig Minuten umrundest. Und trotzdem ist er einer der meistfotografierten Orte der Dolomiten, und warum, verstehst du in den ersten drei Sekunden. Er liegt auf 1.534 Metern hinten im oberen Eggental, Gemeinde Welschnofen, umgeben von dichten Fichten, und dahinter erheben sich die Zacken des Latemar, die sich an windstillen Tagen mit einer Schärfe im Wasser spiegeln, die wie ein Trick aussieht.
Die Farbe ist seine Unterschrift. Sie wechselt von Smaragdgrün über Türkis bis zu tiefem Blau, je nach Licht, Jahreszeit und Blickwinkel, und sie verändert sich auch mit dem Wasserstand, der im Lauf des Jahres deutlich steigt und fällt, weil der See von unterirdischen Quellen gespeist wird. Die Ladiner nannten ihn lec de ergobando, den Regenbogensee, und die örtliche Sage erzählt von einem Zauberer, der einen Regenbogen zerbrach und ins Wasser warf, um eine Nymphe zu gewinnen. Wenn du bei tiefstehender Sonne herkommst, verstehst du, warum man sich diese Geschichte jahrhundertelang erzählt hat.
Der Erfolg hat seine Regeln mitgebracht. Der Zugang ist heute geregelt: Man parkt gebührenpflichtig an der Straße zum Karerpass und erreicht den See durch eine Fußgängerunterführung, während die Ufer eingezäunt sind und man nicht zum Wasser hinuntersteigt. Das ist keine Unfreundlichkeit gegenüber Besuchern, es ist das, was der Uferzone nach Jahren des Zertretens die Erholung ermöglicht hat. Die Runde geht trotzdem ganz herum, auf einem Panoramaweg, und die besten Fotostellen sind ausgeschildert.
Es lohnt sich, früh oder am späten Nachmittag zu kommen, denn mitten am Tag folgt ein Reisebus auf den anderen und der Steg wird zur Prozession. Der Herbst ist mit Abstand die beste Zeit: weniger Leute, brennende Lärchen und stilles Wasser. Über dem See beginnt die Welt des Latemar, der Grund, aus dem es diese Ansichtskarte überhaupt gibt, und von hier startet auch die Runde um den Karersee, wenn du über den klassischen Rundgang hinaus gehen willst.
Häufige Fragen
Warum wechselt der Karersee seine Farbe?
Das Wasser wird von unterirdischen Quellen gespeist, und der sehr helle Grund reflektiert das Licht je nach Uhrzeit, Jahreszeit und Wasserstand unterschiedlich, und der schwankt im Lauf des Jahres erheblich. Heraus kommen Smaragdgrün, Türkis und tiefes Blau. Die Ladiner nannten ihn den Regenbogensee.
Darf man ans Ufer hinunter oder baden?
Nein. Die Ufer sind eingezäunt und es gibt keinen Zugang zum Wasser: Die Maßnahme soll der Uferzone nach Jahren der Erosion durch Zertreten die Erholung ermöglichen. Die Runde führt über einen Panoramaweg um den See, die besten Fotostellen sind ausgeschildert. Baden ist nicht erlaubt.
Wo parkt man am Karersee?
An der Straße zum Karerpass gibt es gebührenpflichtige Parkplätze, und vom größten führt eine Fußgängerunterführung zum See, sodass man die Staatsstraße nicht überqueren muss. In der Hochsaison füllen sie sich früh, es lohnt sich also, am frühen Morgen oder am späten Nachmittag zu kommen.
Wie viel Zeit braucht man?
Die Runde ist kurz: gemütlich zwanzig bis dreißig Minuten, mit Fotostopps. Wenn du einen halben Tag daraus machen willst, kannst du auf die Wege am Fuß des Latemar verlängern oder ihn mit dem Karerpass und dem Eggental verbinden.
Wann ist das beste Licht zum Fotografieren?
Am frühen Morgen, wenn die Luft still steht und sich der Latemar ohne Kräuselung im Wasser spiegelt, oder am späten Nachmittag im Herbst mit brennenden Lärchen. Mittags ist das Licht hart und der Andrang am größten.