Wenige Orte verwandeln Geografie so wörtlich in ein Messinstrument. Vom Blick von Moos und den Wiesen von Sexten im oberen Pustertal benannten die ladinischen Bauern die großen, ihren Häusern zugewandten Gipfel nach den Zahlen einer Uhr: die Neunerspitze, die Zehnerspitze (jeder kennt sie als Sextner Rotwand), die Elferspitze, die Zwölferspitze (der berühmte Zwölferkofel, mit 3.094 Metern der höchste der Gruppe) und die Einserspitze. Wenn die Sonne über dem jeweiligen Gipfel stand, wussten die Dorfbewohner, wie spät es war. Das ist keine Touristenlegende: Das System diente Generationen, so sehr, dass die Sonnenuhr von Sexten heute ein anerkanntes Naturdenkmal ist.
Das Schöne daran ist, dass sie sich mit den Jahreszeiten und mit dem Standort verschiebt. Um die Wintersonnenwende zieht die Sonne von Moos aus mittags über die Zwölferspitze und gegen ein Uhr über die Einserspitze. Um es zu beobachten, brauchst du nichts weiter als die Weiden im Talboden oder einen kurzen Anstieg Richtung Fischleintal und Talschlusshütte: keine besondere Ausrüstung, nur geduldige Augen. Die schönsten Stunden sind noch immer die Herbstsonnenuntergänge, wenn die Luft klar wird und die Wände im Enrosadira aufleuchten und der Sonnenuhr den rosigen Rahmen geben, der sie auf Tausende Fotos gebracht hat.
Häufige Fragen
Warum heißt sie Sonnenuhr?
Weil die über Sexten aufgereihten Gipfel die Namen der Stunden tragen (Neuner, Zehner, Elfer, Zwölfer und Einserspitze) und die Sonne einen nach dem anderen überquert. Von Moos aus konntest du an dem Gipfel, über dem die Sonne stand, die Zeit ablesen.
Wo beobachtet man die Sonnenuhr am besten?
Der historische Ort ist Moos, wo die Ausrichtung am genauesten ist, aber sie liest sich gut von allen Wiesen rund um Sexten und auf dem Weg hinauf ins Fischleintal. Klare Tage und das Licht des Sonnenuntergangs, besonders im Herbst, sind ideal.