„Fahr unter der Woche“ ist der Rat, den jeder bekommt, der fragt, wie man in den Dolomiten den Massen ausweicht. Der Rat ist vernünftig, und wir haben ihn auch gegeben. Dann haben wir gemessen.

Wir haben am Sellajoch (Passo Sella) vom 1. Juni bis zum 15. September an 93 gültigen Tagen Daten erhoben und die sieben Wochentage danach geordnet, wie oft der Parkplatz auf null freie Plätze fiel. Heraus kommt eine Rangliste mit zwei Tagen an der Spitze, Dienstag und Freitag, die Werktage und Wochenende aber keineswegs sauber trennt.

Die Rangliste, vom ruhigsten zum vollsten Tag

Das Kriterium ist einfach: an wie vielen der beobachteten Tage der Parkplatz am Sellajoch mit seinen 199 Stellplätzen am jeweiligen Wochentag auf null gefallen ist. Gezählt haben wir nur gültige Tage, an denen der Sensor funktionierte: 93 von 107, also 12 bis 15 pro Wochentag.

Dienstag und Freitag setzen sich ab, gleichauf. Die übrigen fünf Tage liegen zwischen 67 und 85 Prozent: Montag und Donnerstag sind etwas freier als der Sonntag, und der Mittwoch war fast so oft voll wie der Samstag. Die Vorstellung, das Wochenende sei das Problem, hält also nicht. Und 12 bis 15 Tage pro Wochentag sind wenig: Ein einziger Tag mehr oder weniger verschiebt einen Wert um sieben bis acht Punkte.

  • Dienstag: voll an 7 von 13 Tagen (54%), viermal zwischen 9 und 10 Uhr, zweimal zwischen 10 und 11, einmal zwischen 11 und 12
  • Freitag: voll an 7 von 13 Tagen (54%), zweimal zwischen 9 und 10 Uhr, einmal zwischen 10 und 11, dreimal zwischen 11 und 12, einmal nach 12
  • Montag: voll an 10 von 15 Tagen (67%), je dreimal zwischen 9 und 10, zwischen 10 und 11 und zwischen 11 und 12 Uhr, einmal nach 12
  • Donnerstag: voll an 9 von 13 Tagen (69%), zweimal zwischen 9 und 10 Uhr, fünfmal zwischen 10 und 11, zweimal zwischen 11 und 12
  • Sonntag: voll an 11 von 14 Tagen (79%), viermal zwischen 9 und 10 Uhr, fünfmal zwischen 10 und 11, zweimal zwischen 11 und 12
  • Mittwoch: voll an 10 von 12 Tagen (83%), viermal zwischen 9 und 10 Uhr, zweimal zwischen 10 und 11, viermal zwischen 11 und 12
  • Samstag: voll an 11 von 13 Tagen (85%), fünfmal zwischen 9 und 10 Uhr, fünfmal zwischen 10 und 11, einmal zwischen 11 und 12

Auch bei der Uhrzeit liegen Samstag und Mittwoch nah beieinander

Schaut man auf die Uhrzeit statt auf die Häufigkeit, bleibt der Unterschied zwischen Samstag und Mittwoch klein. Samstags füllt sich der Parkplatz meist etwas früher: Bis 11 Uhr war er an 10 der 11 vollen Samstage schon voll, an den vollen Mittwochen an 6 von 10. Genauer geht es nicht: Die Sensordaten liegen stundenweise vor, nicht minutengenau.

Eine Stunde später ist der Unterschied verschwunden: Bis 12 Uhr war der Parkplatz an 11 von 13 Samstagen und an 10 von 12 Mittwochen voll. Heißt übersetzt: Die Wahl des Tages bewirkt viel weniger als die Wahl der Uhrzeit. Vor 9 Uhr war der Parkplatz an keinem Tag voll, auch an keinem Samstag. Wer dagegen erst gegen Ende des Vormittags ankommt, riskiert auch am Mittwoch einen vollen Parkplatz.

Deshalb haben wir den Rat auch in unserem Guide zu den Pässen mit dem Auto korrigiert: Das Wochenende zu meiden hilft, aber viel weniger, als früh aufzustehen.

Warum Dienstag und Freitag die Ausnahme sind

Dienstag und Freitag sind die Tage, die sich am stärksten absetzen, und die wahrscheinlichste Erklärung hat mit dem Rhythmus der Urlaubswochen zu tun. Ein Großteil der Unterkünfte im Tal arbeitet mit Wochen, die am Samstag oder Sonntag beginnen und enden: Der Montag ist der Tag der leichten Eingehtouren, der Mittwoch der Tag der langen, fest eingeplanten Ausflüge.

Der Dienstag liegt dazwischen, und an diesem Tag haben auch viele Almen und einige Lifte Ruhetag; der Freitag ist für viele der Tag vor der Abreise. Das sind Vermutungen, keine Messungen: Wir zählen Autos, nicht die Absichten der Menschen am Steuer.

Trotzdem ist der Parkplatz auch an diesen beiden Tagen an mehr als jedem zweiten Tag voll. Und wenn er dienstags voll war, dann eher früh: an 4 der 7 Tage schon zwischen 9 und 10 Uhr, darunter am 4. August. Sie sind keine sichere Bank, nur die Tage mit dem geringsten Risiko.

Wie du die Rangliste bei der Planung nutzt

Wenn du den Tag wählen kannst, nimm den Dienstag oder den Freitag. Bau den Tag aber nicht auf dieser Wahl auf: Entscheidend bleibt die Abfahrtszeit, und in der Hochsaison bist du am Sellajoch nur vor 9 Uhr auf der sicheren Seite.

Steht der Tag fest, schau lieber, wo du parkst: Wenige Minuten entfernt gibt es Parkplätze, die nur an einem Bruchteil der Tage voll sind. Wir haben sie auf unserer Seite zum Parken in Gröden aufgelistet.

Die Zahlen stammen vom Open-Data-Portal der Autonomen Provinz Bozen, das die freien Plätze in Echtzeit veröffentlicht, aber keinen Verlauf speichert: Die Datenreihe zeichnen wir selbst jeden Tag auf. Das Gesamtbild der Saison steht in unserer Analyse dazu, wie der Sommer 2026 läuft. Alle Uhrzeiten sind Ortszeit. Eine erste Fassung nannte sie in UTC, also zwei Stunden zu früh; korrigiert am 16. September 2026.

Häufige Fragen

An welchem Tag ist an den Pässen am wenigsten los?

Am Dienstag und am Freitag, gleichauf. An den 93 gültigen der 107 beobachteten Tage war der Parkplatz am Sellajoch an beiden Wochentagen je 7 von 13 Malen voll, samstags 11 von 13 Malen, mittwochs 10 von 12. Trotzdem findest du ihn auch dienstags und freitags öfter voll als frei.

Bringt es wirklich etwas, das Wochenende zu meiden?

Weniger als gedacht. Mittwochs war der Parkplatz fast so oft voll wie samstags, und samstags füllt er sich meist nur etwas früher. Montag und Donnerstag sind sogar freier als der Sonntag. Die Abfahrtszeit zählt mehr als der Tag.

Wann muss man oben sein?

In der Hochsaison bist du am Sellajoch nur vor 9 Uhr auf der sicheren Seite: Vorher war der Parkplatz an keinem Tag voll. An mehr als jedem dritten vollen Tag war er aber schon zwischen 9 und 10 Uhr voll, und das kam an jedem Wochentag vor.

Gelten die Zahlen auch für die anderen Pässe?

Die Messung betrifft das Sellajoch, den einzigen der großen Pässe mit einem öffentlichen Sensor, der die freien Plätze erfasst. An den anderen Pässen können wir Parkplätze in der Nähe beobachten, haben aber keinen direkten Wert und geben auch keinen als solchen aus.